Ruhpolding

Ruhpolding (im Dialekt "Ruapading" gesprochen) ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Traunstein in den Chiemgauer Alpen. Der Hauptort liegt im Ruhpoldinger Talkessel, der auch „Miesenbacher Tal“ genannt wird. Ruhpolding ist ein überregional bekannter Kur- und Fremdenverkehrsort. Der Name Ruhpolding leitet sich aus dem bajuwarischen „Rupoltingin“ ab und bedeutet „bei den Leuten des berühmten Starken“ (pold = stark bzw. kräftig, Ru(d) = berühmt). Der Aussprache des Bairischen gemäß wird der Ortsname korrekterweise auf der ersten Silbe betont (Rùhpolding), und nicht - wie häufig von Nichtbayern fälschlicherweise praktiziert - auf der zweiten Silbe (Ruhpòlding).

Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Traunstein
Höhe: 656 m ü. NN
Fläche: 147,83 km²
Einwohner: 6282 (31. Dez. 2011)
Bevölkerungsdichte: 42 Einwohner je km²
Postleitzahl: 83324
Vorwahl: 08663
Kfz-Kennzeichen: TS

Klima

Im Jahr 2009 war Ruhpolding-Seehaus gemäß der Wetterbilanz des Deutschen Wetterdienstes mit einer Niederschlagsmenge von 2456 Millimeter (entspricht 2456 Liter) im Jahr der nasseste Ort Deutschlands.

Gemeindegliederung

Die politische Gemeinde Ruhpolding hat 73 amtlich benannte Ortsteile:
- Am Wundergraben
- Aschenau
- Au
- Bacherwinkl
- Bärngschwendt
- Bibelöd
- Blicken
- Bojern
- Brand
- Brandl
- Brandlberg
- Brandstätt
- Buchschachen
- Egg
- Eisenberg
- Endsee
- Fritz am Sand
- Fuchsau
- Fuchswiese
- Geiern
- Gnaig
- Grashof
- Gruttau
- Gstatt
- Guglberg
- Hallweg
- Haßlberg
- Hinterpoint
- Hinterreit
- Hocherbalm
- Hutzenau
- Infang
- Knogl
- Labenbach
- Laubau
- Lohen
- Maiergschwendt
- Mitterwegen
- Mühlwinkl
- Neustadl
- Niedervachenau
- Obereben
- Obergschwendt
- Oberhausen
- Ort
- Plenken
- Point
- Ramsen
- Ramsler
- Rauchenbichl
- Reiten
- Ried
- Ruhpolding
- Sankt Valentin
- Schürzbichl
- Schwaig
- Seehaus
- Stadler
- Steinberg
- Steinbergalm
- Stocking
- Stockreit
- Sulzen
- Untereben
- Urschlau
- Vordermiesenbach
- Waich
- Wasen
- Weingarten
- Widdmoos
- Wiesen
- Zell
- Zwickling

Berge
- Rauschberg (1645 m)
- Hörndlwand (1684 m)
- Sonntagshorn (1961 m)
- Unternberg (1450 m)
- Hochfelln (1674 m)


Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung des heutigen Ortsteils Buchschachen stammt aus dem Jahr 924. Das Gut Ruhpoldingen wird um 1193 zum ersten Mal erwähnt. Seit 1585 wurde im Gemeindegebiet Erz abgebaut. 1882 wurden die 1818 gegründeten Gemeinden Ruhpolding, Vachenau und Zell zu einer politischen Gemeinde vereinigt. 1895 wurde die Eisenbahnlinie nach Traunstein eröffnet. Die von Carl Degener (1900–1960) initiierten Pauschalreisen (damals in Sonderzügen) führten nach dem Zweiten Weltkrieg in Ruhpolding zu einem regelrechten Tourismusboom. Mitte der 1950er Jahre lagen die Übernachtungszahlen bei 600.000. 1991 war der bisherige Rekord: 1.122.732 Übernachtungen.

Bis zum 31. Dezember 1881 gab es im Tal der Bayerischen Traun, auch Miesenbachertal genannt, drei Ortschaften. Diese schlossen sich zum 1. Januar 1882 zur Großgemeinde Ruhpolding zusammen. Die Namensfindung war nicht einfach, da keine der drei selbstständigen Gemeinden Ruhpolding, Vachenau und Zell ihren Namen aufgeben wollte - so gab es damals drei Bürgermeister und drei Freiwillige Feuerwehren. Letztendlich einigte man sich jedoch auf Ruhpolding; hier befanden sich die Pfarrkirche und der Friedhof, das 1821 entstandene erste Schulhaus und die Posthalterei (im jetzigen Hotel Zur Post).

1933 wurde Ruhpolding durch Carl Degener, der ein Reisebüro in Berlin betrieb, für den Fremdenverkehr größeren Stils entdeckt. Vorher kamen wenige Sommerfrischler und Wintersportler ins Tal. 1979, mit den ersten Biathlon-Weltmeisterschaften, wurde Ruhpolding als Biathlonort international bekannt.

Politik
Wappen

Die Beschreibung des Wappens aus dem Jahr 1922 lautet:

„Der grüne Dreiberg versinnbildlicht die drei ehemaligen Gemeinden Ruhpolding, Vachenau und Zell. Die goldene Linde stellt die neue Gemeinde Ruhpolding dar. Der silberne Querfluss weist auf die Traun hin, die das Miesenbachertal durchschneidet. Das silberne Schildchen mit dem goldbegrifften silbernen Griesbeil spielt auf die Steinkreuze vor der St. Valentinskirche an, wo man ehedem eine Dingstätte vermutete.“

Bürgermeister

????–1893: Anton Pointner (Deutsche Zentrumspartei)
1893–1906: Mathias Huber (Waldbauernbund, später BBB)
1906–1919: Georg Eisenberger (BBB)
1919–1933: Bartholomäus Schmucker
1933 bis Kriegsende: Anton Kreidl, Josef Wallner, Karl Huber
1945 und 1946: Alois Rappl, Valentin Plenk, Fritz Grübl
1946–1966: Josef Mayer (CSU)
1966–1970: Leonhard Schmucker (CSU), (dann von 1970 bis 1990 Landrat im Landkreis Traunstein)
1970–1972: Anton Stengel (UW)
1972–1978: Franz Schneider (SPD)
1978–1996: Herbert Ohl (CSU)
1996–2002: Gerhard Hallweger (SPD)
2002–2008: Andreas Hallweger (CSU)
seit 1. Mai 2008: Claus Pichler (SPD)

Rathaus Ruhpolding
Partnerschaften

Seit 1979 besteht eine Städtepartnerschaft mit dem badischen Weinanbauort Ihringen am Kaiserstuhl.
Über die Sportart Biathlon gibt es freundschaftliche Verbindungen zu Antholz in Südtirol und Oberhof in Thüringen. Ebensolche Verbindungen gibt es zu Schonach im Schwarzwald über die Sportart Nordische Kombination.

Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr

Im Süden der Gemeinde verläuft die Deutsche Alpenstraße B 305. Ruhpolding ist der Endpunkt der Bahnstrecke Traunstein–Ruhpolding. Bis zum 31. Dezember 1931 verlief weiter noch die Waldbahn nach Reit im Winkl. Seit Ende 2008 verläuft durch den Ort ein 366 Meter langer Tunnel („Schlosstunnel“), der den Ortskern deutlich vom Verkehr entlastet.

Freizeit- und Sportanlagen
- Biathlon-Leistungszentrum (BLZ) Chiemgau-Arena mit der Großen Zirmbergschanze (K-Punkt 115 m) und vier weiteren Skisprungschanzen
- Kabinenbahn zum Rauschberg (1671 m) mit der schwierigen Skiabfahrt Rossgasse
- Sesselbahn zum Unternberg (1425 m) mit Skigebiet (3 Lifte)
- Skigebiet Westernberg
- Gleitschirmfliegen
- Biathlon-Weltcup Biathlon in Ruhpolding
- Im Winter Langlaufloipen im Drei-Seen-Gebiet sowie in und rund um Ruhpolding. Sowie im BLZ am Zirmberg mit Flutlicht
- Sporthalle mit Leistungszentrum für den Schießsport
- Eissporthalle
- Wellenerlebnisbad Vita Alpina
- Golfplatz im Ortsteil Zell
- Freizeitpark Ruhpolding
- Freizeitanlage Minigolf am Kurhaus
- Bogenschießanlage auf 3D-Figuren im Ortsteil Maiergschwendt
- Skigebiet Maiergschwendt: Lifte, Langlaufloipe, Rodelhang
- Tennisplatz mit 10 Tennisplätzen und 4 Hallenplätzen

Kureinrichtungen

-
Kurkrankenhaus Vinzentinum
- Freibadeanlage und Kurverwaltungspavillon

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen

-
Glockenschmiede: Ausstellung in Originalgebäuden.
- Heimatmuseum: Sammlung aus allen Lebensbereichen Ruhpoldings.
- Holzknechtmuseum Ruhpolding: Freigelände mit historischen Bauten und Werkzeugen der Holzknechte in der Laubau südlich von Ruhpolding.
- Schnauferlstall: Motorräder ab dem Baujahr 1924.

Bauwerke
- Katholische Pfarrkirche St. Georg, ein talbeherrschender Bau von 1738 bis 1757 mit hochromanischer "Ruhpoldinger Madonna"
- ehemaliges Jagdschloss, 1587 für Herzog Wilhelm V. errichtet
- Wallfahrtskirche Maria Schnee in Urschlau
- Filialkirche St. Valentin in Zell
- 600 Jahre alter Kinderbauernhof mit 37 Betreuern
- Evangelische Johanneskirche
siehe auch Liste der Baudenkmäler in Ruhpolding

Musikkapellen
- D’Miesenbacher Ruhpolding
- D’Rauschberger Zell


Söhne und Töchter der Gemeinde

-
Leonhard Schmucker (* 1919), Landrat
- Ludwig Schätzl (* 1938), Professor für Wirtschaftsgeographie und Präsident der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
- Bernhard Haßlberger (* 1946), Bischofsvikar für die Seelsorgsregion Nord des Erzbistums München und Freising
- Herbert Fritzenwenger (* 1962), Biathlet und Skilangläufer
- Ernst Reiter (* 1962), Biathlet

Personen, die mit Ruhpolding in Verbindung stehen

-
Hanns Johst (1890–1978), Schriftsteller, Dramatiker und Nationalsozialist (Kultur-Funktionär), seit 1935 Präsident der Reichsschrifttumskammer (RSK), starb hier
- Fritz Fischer (* 1956), deutscher Biathlet, der seit mindestens 2008 den Biathlonnachwuchs im Chiemgau am Stützpunkt Ruhpolding trainiert

Quelle: Wikipedia.de